Welche Gesellschaftsform bietet sich für mein Vorhaben an?

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Jeder Unternehmer mit einer Idee findet sich irgendwann an derselben Stelle wieder: Bei der Frage nach der geeigneten Gesellschaftsform. Da auch uns diese Fragen immer wieder in der gesellschaftsrechtlichen Beratung gestellt werden, möchten wir an dieser Stelle eine strukturierte Übersicht liefern, damit Sie einen ersten Eindruck über die richtige Wahl der Gesellschaftsform erhalten.

Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.

Victor Hugo – französischer Schriftsteller (1802 – 1885)

Grundfrage: Personen- oder Kapitalgesellschaft

Zunächst muss jeder Unternehmer die Grundfrage beantworten, nämlich: ob er eine Personengesellschaft oder eine Kapitalgesellschaft gründen möchte.

Vereinfacht kann man sagen, eine Personengesellschaft gründet sich leichter als eine Kapitalgesellschaft, manchmal sogar ohne dass man es merkt (so stellt z.B. die Lotto-Tipp-Gemeinschaft meist eine GbR dar). Dies hängt mit dem numerus clausus des Gesellschaftsrechts zusammen. Der deutsche Gesetzgeber möchte keine Gesellschaften im „luftleeren Raum“. So wird jede Gesellschaft – ob gewollt oder nicht – einer Gesellschaftsform zugeordnet. Hier ist es natürlich besser, die Steuerung zu übernehmen, als einer Gesellschaftsform zugeordnet zu sein, derer man sich überhaupt nicht bewusst ist.

Die wesentlichen Unterschiede zwischen einer Personengesellschaft und einer Kapitalgesellschaft sind, dass Inhaber einer Personengesellschaft jeweils mit ihrem persönlichen Vermögen haften, wohingegen die Haftung bei Kapitalgesellschaften jeweils auf die Höhe der Einlagen begrenzt ist (z.B. bei einer GmbH auf die Stammeinlage in Höhe von 25.000 Euro).

Praxistipp: Diese Begrenzung der persönlichen Haftung bei einer Kapitalgesellschaft hat aber hauptsächlich einen Effekt für Ihre späteren Rechtsbeziehungen zu Kunden. Banken und Kreditgeber lassen sich in aller Regel zusätzlich zur Haftung mit den Einlagen die persönliche Haftung der Gesellschafter zusichern.

Eine Kapitalgesellschaft zu gründen macht demnach vor allem dann Sinn, wenn man durch die Art seiner Tätigkeit hohe Schäden verursachen kann und die Risiken unabsehbar sind. So z.B. wenn man Elektrogeräte herstellt und nicht alle Schäden absehen kann die vielleicht entstehen können (z.B. Brand, Feuer, Explosion, etc.).

Vor- und Nachteile der verschiedenen Gesellschaftsformen

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Kapitalgesellschaften aufwendiger und teurer zu gründen sind als reine Personengesellschaften. Es gibt jedoch eine ganze Reihe von Vor- und Nachteilen die es bei der Wahl der richtigen Gesellschaftsform zu bedenken gibt. Neben den Grundformen gibt es noch einige Mischformen (wie z.B. die GmbH & Co. KG), welche der Übersichtlichkeit halber jedoch in diesem Artikel nicht behandelt werden sollen.

Die Vor- und Nachteile der verschiedenen Gesellschaftsformen im Einzelnen:

Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Die GmbH ist der Klassiker unter den Kapitalgesellschaften und genießt ein sehr hohes Ansehen in ganz Europa. Dies hängt vor Allem damit zusammen, dass durch hohe formelle Anforderungen (notarielle Beurkundung etc.) und den damit verbundenen Kosten ein gewisser Vertrauensvorschuss eingeräumt wird. Wer eine GmbH gründet meint es (zumindest in der Vorstellung seiner Kunden) vielleicht etwas ernster, als jemand der ohne große Kosten und Formalitäten eine Personengesellschaft gründet.

Vorteile Nachteile
Keine Haftung mit Privatvermögen Mindeststammkapital von 25.000 Euro
Körperschaftssteuerpflichtig statt Einkommenssteuer (meist günstiger) Privates Vermögen und Kapital der GmbH sind strikt zu trennen
Professionelleres „Standing“ am Markt durch guten Ruf der GmbH Buchführung ist aufwendiger
Kann thesaurieren Bilanzierung ist notwendig und muss veröffentlicht werden

Unternehmergesellschaft (UG)

Die Unternehmergesellschaft war vom deutschen Gesetzgeber als Antwort auf andere europäische Gesellschaftsformen wie insbesondere die englische Limited (Ltd.) gedacht. Da es z.B. in Großbritannien bereits ab 1 Pfund möglich war, relativ unbürokratisch eine Kapitalgesellschaft mit beschränkter Haftung zu gründen, haben sich viele Unternehmen auf diese ausländischen Gesellschaftsformen gestürzt. Die UG ist deswegen so gedacht, dass sie zunächst mit schmalem Geldbeutel (ab 1 Euro) gegründet werden kann, jedoch sodann nach und nach zu einer vollwertigen Kapitalgesellschaft aufgestockt werden muss. Hat man die 25.000 Euro Stammkapital erreicht, so wird die Gesellschaft jedoch keineswegs automatisch zur GmbH. Vielmehr ist ein relativ aufwendiger Formwechsel von Nöten, was sie unseres Erachtens unattraktiv machen kann.

Vorteile Nachteile
Sehr niedrige Gründungskosten Ansparpflicht bis zum Stammkapital einer GmbH
Keine persönliche Haftung Weniger angesehen als vollwertige GmbH
Nur 1 Euro Mindestkapital Formwechsel auf GmbH nur aufwendig möglich, auch wenn am Ende gleiches Stammkapital
  Niedrigere Kreditwürdigkeit

Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Die GbR ist der Klassiker unter den Personengesellschaften. Kurz gesagt: sobald zwei natürliche Personen einen gemeinsamen Zweck verfolgen, entsteht eine GbR. Gerade wenn man sich als Unternehmer mit seiner Idee noch unsicher sein sollte, nicht viel Kapital zur Verfügung hat, wenig Zeit für organisatorische Aufgaben verwenden möchte und zu Anfang niedrige Umsätze erwartet, bietet sich eine GbR an.

Vorteile Nachteile
Sehr einfache und kostengünstige Gründung Volle persönliche Haftung (problematisch bei riskanten Tätigkeitsfeldern)
Gute Kreditwürdigkeit aufgrund persönlicher Haftung Muss umgewandelt werden, sofern Umsätze zu hoch werden
Kein Mindestkapital notwendig Kein so professionelles „Standing“ am Markt
Einfache Buchhaltung  
Einfache Besteuerung  

Offene Handelsgesellschaft (OHG)

Die OHG ist eine reine Handelsgesellschaft und ihre Gesellschafter sind in der Regel Kaufleute. Partner innerhalb einer OHG können neben natürlichen Personen auch juristische Personen sein. Gegenüber der OHG erscheint die GmbH jedoch wegen der persönlichen Haftung für viele Unternehmer als die bessere Alternative.

Vorteile Nachteile
Gründung ohne Mindestkapital unkompliziert möglich Volle persönliche Haftung bei riskanten Tätigkeitsfeldern
Gute Kreditwürdigkeit aufgrund persönlicher Haftung Haftung auch nach Ausscheiden aus dem Unternehmen für eine Dauer von 5 Jahren
Kein Gesellschaftsvertrag vorgeschrieben Pflicht zur doppelten Buchführung
  Nur für Kaufleute geeignet

Zusammenfassung

Wie Sie sehen können, kann sich die Wahl der optimalen Gesellschaftsform ziemlich komplex erweisen. Neben den hier dargestellten offensichtlichen Vor- und Nachteilen der einzelnen Haupt-Gesellschaftsformen, gibt es noch eine ganze Reihe von weiteren Aspekten (z.B. steuerlicher Art), die es bei der Auswahl zu beachten gibt. Sinn dieses Beitrages soll es lediglich sein, Ihnen einen ersten Überblick über die Gesellschaftsformen zu geben.

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